Die Transsibirische Eisenbahn

I did it! Ich bin mit der Transsibirischen Eisenbahn 5642 km von Moskau bis Ulan- Ude an der mongolischen Grenze gefahren und habe das grösste Land der Erde auf dem Landweg überquert (größtenteils zumindest 😆  ).

Zu den weitesten Verbindungen in Deutschland dürfte wohl die Strecke Konstanz – Flensburg sein. Das sind rund 800km Luftlinie und eine Bahnfahrt von läppischen 11 Stunden (sieht man von der ein oder anderen Verspätung der Bahn mal ab). Hören die Russen von diesen “Kurzstrecken” haben sie nur ein müdes Lächeln für uns übrig, denn die TransSib hat von Moskau bis Vladivostok eine Gesamtlänge von 9288 km, durchquert 7 Zeitzonen und dauert ganze 6 Tage!

Was erwartet uns auf einer Fahrt mit dieser außergewöhnlichen Bahn? Wie kann man sich darauf vorbereiten und was muss man beachten? In diesem Beitrag gehe ich auf diese und weitere Fragen ein und hoffe, jedem, der sich für diesen Tripp interessiert, helfen zu können.

Die Transsibirische Eisenbahn

Wikipedia sagt: “Die Transsibirische Eisenbahn (russisch Транссибирская магистраль, Transkription Transsibirskaja magistral; früher auch als Sibirische Eisenbahn bezeichnet, amtlich jedoch nur für die Teilstrecke vom Ural bis zum Baikalsee), kurz Transsib genannt, ist mit 9288 km die längste Eisenbahnstrecke der Welt, mit mehr als 400 Bahnhöfen zwischen Moskau und Wladiwostok am Pazifik. Sie ist die Hauptverkehrsachse Russlands…”

Die Transsibirische Eisenbahn von Moskau bis Vladivostok. Ab Ulan Ude gibt es auch eine Verbindung nach Peking

Ich bin mit einem kurzen Zwischenstopp in Baikalsk am Baikalsee (warum? das könnt ihr hier in meinem Tagebuch nachlesen) bis Ulan Ude durchgefahren. Da ich schon oft in Kaliningrad, St. Petersburg und auch Moskau war, war ein Aufenthalt in einer der Städte auf dieser Rute für mich nicht sonderlich interessant. Solltest du zum ersten mal in Russland sein, würde ich dir empfehlen, den ein oder anderen Stopp einzulegen. Die nachfolgend genannten Städte könnten dabei ganz interessant sein. Moskau ist aus meiner Sicht immer ein Pflichtbesuch und man sollte dort auf jeden Fall 2-3 Übernachtungen einplanen.

 

  • Moskau (Москва́)
  • Nischnij Nowgorod (Ни́жний Но́вгород) 442 km
  • Perm (Пермь) 1436 km
  • Jekaterinburg (Екатеринбу́рг) 1816 km
  • Tyumen (Тюмень) 213
  • Omsk (Омск) 2712 km
  • Nowosibirsk (Новосибирск) 3335 km
  • Taiga (тайга) 3565 km
  • Krasnojarsk (Красноярск) 4098 km
  • Irkutsk (Ирку́тск) 5185 km
  • Ulan-Ude  (Улан-Удэ) 5642 km
  • Tschita (Чита́) 6199 km
  • Chabarowsk (Хабаровск) 8521 k
  • Wladiwostok (Владивосток) 9288 km

 

 

Visum für Russland

Wer mit einem deutschen Pass nach Russland einreisen möchte, benötigt ein Visum. Es gibt unter anderem das Touristenvisum, das dich berechtigt, dich bis zu 30 Tage in Russland aufzuhalten.

Die Beantragung ist etwas kompliziert. Du benötigst neben einer Bestätigung über eine Auslandskrankenversicherung z.B. auch eine Einladung einer Privatperson oder eines Unternehmens. Deshalb ich würde dir raten, ein russisches Reisebüro in deiner Stadt damit zu beauftragen. Die haben tagtäglich damit zu tun, haben oft die entsprechenden Kontakte und du bekommst in der Regel nach 2-3Wochen dein Visum. Der Preis liegt bei 80 – 100€. Es gibt auch jede Menge Online- Anbieter, zu denen du deinen Reisepass schicken musst. Ich habe mit dieser Art der Beantragung keinerlei Erfahrungen, bin aber ehrlich gesagt auch kein Freund davon, meinen Reisepass an irgendjemanden per Post zu verschicken.

Solltest du beabsichtigen, die russische Grenze mehrmals zu überqueren, brauchst du eins der Multivisa. Ich habe mir ein Ein- Jahres- Business Visum ausstellen lassen. Es war mit 300€ zwar relativ teuer, aber ich habe die russische Grenze etwa 5 mal überquert und dieses Visum ist die einzige Möglichkeit, dies ohne größere Probleme zu tun.

Weitere Informationen über die unterschiedlichen Visa für Russland findest du hier auf der Homepage der Russischen Botschaft 


 

Tickets

Im Internet gibt es etliche Anbieter, die dir ihre Dienste anbieten. Allerdings zu total überteuerten Preisen. 

 

Tutu.ru

Günstiger gibt es die Tickets zum Beispiel bei tutu.ru einer russischen Onlineagentur. Die Seite gibt es auch auf englisch und man kann seine Tickets per Kreditkarte bezahlen. Viele Russen nutzen tutu.ru, aber die Preise waren geringfügig höher als bei der Russischen Bahn direkt. Dafür gibt es die Seite auch in englischer Version und man kann mit Kreditkarte buchen. Ich habe mein Ticket nach einem Tipp eines Freundes aus St. Petersburg bei tutu.ru gebucht.

 

 

RZD.RU

RZD, Russian Railways ist (bedeutet Российские железные дороги; kurz: РЖД; zu deutsch: Russische Eisenbahnen) ist die “Russische Bahn”. Auch auf deren Homepage kann man Tickets buchen; und das seit Neuestem auch in englischer Sprache. Anfangs soll es wohl Schwierigkeiten bei der Zahlung mit Kreditkarte gegeben haben, ich habe nun aber mehrmals gehört, dass diese Probleme behoben und Buchungen möglich sind.

 

 

Die Buchungsseite bei rzd.ru

 

Bitte beachte, dass eine Buchung von internationalen Verbindungen (z.B. nach China oder in die Mongolei) weder aufauf tutu.tu noch auf rzd.ru möglich ist. Dies kann nur an den Schaltern der Russischen Bahn in jedem größeren Bahnhof gemacht werden. Man kann sich diese Verbindungen zwar über diverse internationale Reiseveranstalter buchen lassen, jedoch mit einem recht hohen Aufschlag. Billiger sind internationale Anschlusstickets direkt bei der Bahn in Moskau oder kaufe es, wie ich in Ulan Ude. Allerdings besteht natürlich immer das Risiko, dass man kurzfristig keine Tickets meh bekommt und einige Tage warten muss.

Ich habe mich entschlossen, die Strecke Ulan Ude – Ulaanbaatar mit dem Bus zu fahren. Erstens war der Bus 10 Stunden schneller  und zweitens habe ich für die Fahrt gerade mal etwa 20€ bezahlt. Der Zug kam auf etwa 65€.


 

Kategorien

Es gibt 3 Kategorien

1.Klasse, die sogenannte “Lux“- Klasse, in der es in einem abschließbaren Abteil lediglich zwei Betten gibt. Die Lux- Klasse hat 9 Abteils mit insgesamt 18 Betten pro Wagon. Die mit Abstand teuerste Klasse, die höchstmögliche Privatsphäre und Komfort bietet.

Wagonbelegung der 1. Klasse in der Transsibirischen Eisenbahn

 

2.Klasse, das sogenannte “Kupé“. Dies ist ein abschließbares Abteil mit 4 Betten. Je nachdem, mit wem man eines dieser Abteile belegt, kann die Fahrt klasse oder einfach nur die Hölle sein. 10 Abteils mit insgesamt 40 Betten pro Wagon. Es gibt gemischte Abteile und einige, die nur für Frauen sind.

Wagonbelegung der 2. Klasse in der Transsibirischen Eisenbahn

 

3.Klasse, die so genannte “Platzkartny“, der Großraumwagon, in dem es insgesamt 54 Betten gibt. Jeweils 6 Betten bilden eine kleine offene Einheit.

  • 2 zur Fahrtrichtung übereinander liegende Betten-  tagsüber wird das untere Bett umgeklappt und zu zwei Sitzen mit Tisch umfunktioniert.
  • 4 quer zur Fahrtrichtung liegende Betten, jeweils 2 übereinander- die unteren Betten werden von den oben schlafenden Gästen tagsüber oft als Sitzfläche mitbenutzt, da zwischen den Betten ein kleiner Tisch steht.
Wagonbelegung der 3. Klasse in der Transsibirischen Eisenbahn

 

Jeder Zug hat ein Bordrestaurant, in dem man typisch russische Spezialitäten essen kann. Allerdings habe ich das Restaurant während meiner Fahrt nicht besucht, weil mir die russischen  Mitreisenden wegen der recht hohen Preise davon abgeraten haben. Folglich kann ich dazu keine Tipps geben. Im Nachhinein bereue ich es jedoch, denn SO viel hätte ein kleines Menu bestimmt nicht gekostet…

Es kam aber regelmäßig eine nette Dame durch, die warme Speisen, Suppen oder Pfannkuchen angeboten hat, von denen ich  auch probiert habe- und es war lecker!

Tipps

  • Buche das “Bettwäschepaket” mit, du wirst es brauchen.
  • Willst du deine Ruhe, buche eins der oberen Betten quer zur Fahrtrichtung.
  • Das untere Bett ist aus meiner Sicht trotzdem das bessere, weil du nicht ständig hoch und runter klettern musst.
  • Buche KEIN Bett, das in Fahrtrichtung liegt. Du wirst sonst ständig von vorbeigehenden Passagieren angerempelt.
  • Buche KEIN Bett im hinteren Teil neben der Toilette (auf dem Bild oben wären es die Betten 34 – 37, wobei 37 der schlechteste Platz sein dürfte). Es gibt dafür 3 Gründe:
  1. Direkt neben der Toilette riecht es öfters etwas streng
  2. Die Raucher bringen ebenfalls einen recht unangenehmen Geruch mit rein (Rauchverbote interessieren die russischen Raucher kaum, denn Verbote sind dazu da, um sie zu umgehen!)
  3. Die Verbinungstür wird oft zugeschlagen, bzw gar nicht erst geschlossen
Platzkartny , 3. Klasse der Transsibirischen Eisenbahn

 

Vorbereitung

Folgende Dinge solltest du mitnehmen:

  • Klopapier (im Zug nur selten vorhanden)
  • Feuchttücher
  • Taschentücher
  • Zahnpasta, Zahnbürste, Seife und Reisehandtuch für deine “Katzenwäsche
  • Besteck/ Messer
  • Becher (man konnte in meinem Zug beim Zugbegleiter auch ein Glas ausleihen)
  • Bequeme Kleidung, die ihr Zuhause auch tragen würdet. Kaum einer wird in der TransSib mit Jeans und Hemd rumlaufen
  • Kopfhörer/ Ohrstöpsel (in einem Großraumwagon ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand schnarcht, recht hoch)
  • Bücher/ Filme, um dir die Zeit zu vertreiben
  • Bargeld (nur russische Rubel!)
  • Deutsche Schokolade (oder andere Spezialitäten) für deine Mitreisenden. Das wird dir viele Pluspunkte bringen!

Packe das alles in einen kleinen Rucksack oder ein Tasche. Denn dein großes Gepäck kannst du jeweils unter den unteren Betten verstauen.

Neben dem Jaroslawler- Bahnhof gibt es mehrere kleine Shops. Spätestens dort solltest du kurzfristig noch kleinere Dinge wie Getränke,  Teebeutel, Instantkaffee, Zucker (!), Snacks, Kekse, Chips, einige Instant Suppen/ Instant Menus einkaufen. Die Zugbegleiter bieten auch eine kleine Auswahl an Tees, Suppen und Snacks etc. zum Verkauf an.

Drucke dein Ticket aus und halte deinen Reisepass bereit.

Gehe davon aus, dass ausser dir kaum Ausländer in deinem Wagon sein werden. Auf meiner Fahrt waren es immerhin 2 Chinesen, 2 Franzosen, 2 Spanier und ich.

Steckdosen gibt es nicht an jedem Fenster. Dazu musst du etwas Glück haben. Ich hatte Platz 26 und eine Steckdose direkt unter dem Tisch 😉


Ablauf

  • Sei 30-60 Minuten vor Abfahrt am Jaroslawler- Bahnhof in Moskau und begib dich direkt zu dem von dir gebuchten Wagen (steht auf deinem Ticket). Plane genug zeit ein, denn nicht alle sprechen englisch und das Gelände fand ich etwas unübersichtlich und recht groß. Außerdem sind die Russen zu Fremden oft grundsätzlich erst mal unfreundlich.
Anzeigetafel am Jaroslaver Bahnhof Moskau

 

  • Am Wagen angekommen, kontrollieren die Zugbegleiter (Provodniki) beim Check-In dein Ticket und deinen Pass und lassen dich dann in den Wagen, wo du dich auf deinem Platz einrichten kannst. Nun wird es sehr geschäftig, denn alle packen aus und um, beziehen die Bettwäsche, verstauen ihr Gepäck und irgend wann ist es dann soweit: Der Zug fährt los und du wirst in den nächsten Tagen die Zugfahrt deines Lebens erleben!
Check-In in Moskau

 

  • Bereite dich darauf vor, dass du ab sofort keine Privatsphäre mehr haben wirst und dich nur noch eingeschränkt um deine Körperhygiene kümmern kannst. Deine Nase wird unterschiedliche angenehme und vor allem unangenehme Gerüche wahrnehmen, wenn du nach den Halts wieder in den Wagon kommst. Du wirst stundenlang immer nur das gleiche Bild sehen, wenn du aus dem Fenster schaust. Du wirst viel Zeit haben! Zeit für Bücher, Filme, Konversationen und Schlaf.

 

  • Unterwegs wird vor allem am Anfang der Fahrt an quasi jedem Stopp irgend etwas angeboten. Die Preise sind direkt am Bahngleis etwas erhöht, aber wenn der Zug eben nur kurz stehen bleibt, hat man keine andere Wahl. Bei längeren Stopps wirst du aber auch die Gelegenheit haben, in einem Geschäft im Bahnhofsgebäude etwas einkaufen zu können.
Verkaufsstände an den Bahnhöfen

 

  • Nutze längere Aufenthalte auch für den ein oder anderen Toilettengang, denn die Zugtoilette ist gewöhnungsbedürftig. Wenn du der Toilettendame dein Zugticket zeigst, ist die Benutzung der Bahnhofstoiletten kostenlos.

 

  • Neben dem Abteil des Zugbegleiters steht ein großer Waserkocher und versorgt dich rund um die Uhr mit heissem Wasser für deinen Tee , Kaffe oder deine Instantsuppe. Viel anderes wirst du in den nächsten Tag sowieso nicht essen.
Der Wasserkocher in der Transsibirischen Eisenbahn

 

Achtung

  • Die angegeben Zeiten sind IMMER Moskauer Zeit und die Züge orientieren sich nicht an der Dauer des Aufenthalts sondern stur an den Abfahrtszeiten laut Plan! Vergewissere dich unbedingt an der Anzeigetafel am Gleis, wie viel Zeit du noch hast, wenn du dich vom Zug entfernen willst.

Die Russen

Grundsätzlich machen Russen wie oben bereits erwähnt zunächst mal meist einen grimmigen  und unfreundlichen Eindruck. Das liegt daran, dass sie grundsätzlich allem Neuen und allen Fremden gegenüber erst mal mal sehr misstrauisch und vorsichtig sind. Im Gegensatz zu den Westeuropäern taut das Eis aber extrem schnell auf und nachdem man sich “beschnuppert” hat, ändert sich ihr komplettes Wesen!

Erlebt man Russen bei einer solchen Reise, versteht man, was mit der so beliebten russischen Gastfreundschaft gemeint ist. Schnell hat man das Gefühl, sich schon ewig zu kennen. Sie sind extrem hilfsbereit, teilen Essen und Getränke, als ob es selbstverständlich wäre und nutzen natürlich jede Gelegenheit, einen Fremden mit vielen vielen Fragen zum Leben in Deutschland, zur allgemeinen und politischen Lage und selbstverständlich zur sehr aktuellen Flüchtlingspolitik zu löchern.

Wie in jedem anderen Land auch, hängt es in allererster Linie von dir selbst ab, wie deine Mitmenschen zu dir sind. Sei selbst freundlich, respektvoll, offen. Beantworte Fragen, zeige selbst Interesse, biete Ihnen Dein Essen an und nehme Dinge an, die sie dir anbieten. Achtung: etwas abzulehnen ist unhöflich, wenn man nicht einen wichtigen Grund dazu nennen kann! Die Russen sind darüber hinaus große Patrioten und mögen es sehr, wenn man ihr Land lobt, die Schönheit der russischen Frauen, das Essen, die Natur und so weiter. Hüte dich davor, die Russen, deren Land oder deren politisches Engagement im Ausland zu kritisieren und lasse dich nicht auf Grundsatzdiskussionen über Politik einDas mögen sie überhaupt nicht! Wenn einer Russland kritisieren darf, dann nur ein Russe- für Ausländer ist es verboten!  😉 

Gemeinsame schmeckt es besser

 

Fotos

In meiner Bildergalerie habe ich jede Menge Fotos von meiner Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn veröffentlicht. Schau rein.


 

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