Tag 100 – ein Rückblick

Heute ist Tag 100 und es wird Zeit, mal in sich zu gehen und zu sammeln, was auf meiner bisherigen Reise gut und was nicht ganz so gut gelaufen ist…

Reisen bedeutet nicht immer, dass man wie auf Wolken durch das Leben schwebt. Reisen ist nicht nur Urlaub. Reisen bringt auch Probleme mit sich, Schwierigkeiten und Hürden, die man meistern muss. Die gesammelten Eindrücke müssen verarbeitet werden, man hat mit Menschen unterschiedlichster Art zu tun und nicht alle sind freundlich und zuvorkommend zu einem Ausländer- nicht nur in Deutschland! 

Wenn wir von unseren Reisen berichten, neigen wir dazu, nur von den schönsten und tollsten Momenten zu berichten und diese auf Fotos festzuhalten. Das Negative wird weit nach hinten verdrängt. Es gibt aber nicht nur Schönes!

Hier also mal eine kleine Zusammenfassung meiner ersten 100 Tage on tour. Was waren die „Tops“, also was war schön und positiv und was waren die „Flops“, meine negativen Momente?


Tops

 

Türkei

Die bisher beste Phase hatte ich bisher in den 5 Wochen in der Türkei. Die Zeit als Volunteerer im Mansion by Cheers Hostel in Istanbul war echt klasse. Ich habe jede Menge neue Erfahrungen gesammelt, tolle Leute kennen gelernt und die Stadt finde ich einfach sensationell!  Der darauf folgende Besuch meines Sohnes hat mich sehr gefreut und wir haben einige tolle Tage verbracht. Über diese Mega- Stadt habe ich auch einen ausführlichen Bericht geschrieben. Ihr findet ihn hier

Der anschließende Urlaub mit meiner Freundin in Side war dann noch das i- Tüpfelchen und der krönende Abschluss eines klasse Sommers. An diese Zeit erinnere ich mich sehr gerne zurück!


 

 

Die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn

Knapp 4 Tage war ich mit der Transsib unterwegs und ich würde es jederzeit wiederholen. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich noch 2 Tage weitergefahren. Ich habe viel geschlafen, gelesen, Filme angeschaut- also alles, wozu ich mir in Deutschland eigentlich kaum die Zeit genommen habe. Ich habe auch dort tolle Leute kennen gelernt, wir waren nach wenigen Stunden eine Gruppe, haben viel geredet und gelacht und ich hatte das Gefühl, diese Menschen schon ewig zu kennen. Selbstverständlich waren meine Russischkenntnisse dazu sehr nützlich, ohne diese wären wir mit Sicherheit nicht ganz so eng zusammengerückt.

 

Englisch- Unterricht in Morön

Hätte mir jemand gesagt, dass ich eines Tages Englisch- Lehrer werden würde- ich hätte ihn glatt für verrückt erklärt. Aber nun habe ich tatsächlich die Gelegenheit, neue Erfahrungen zu sammeln und es macht wirklich Spaß. Ich habe zwei Dreier- Gruppen mit 8- jährigen Mädchen, die meist recht „zahm“ sind, aber auch eine Gruppe mit zwei jugendlichen Mädchen und einem Arzt, bei denen es schon eher „zur Sache geht“ und der Anspruch auch deutlich höher ist. Aber ich schlage mich wacker und die Rückmeldungen sind sehr positiv.

 

Leben weit ausserhalb der Komfortzone

Dass nicht überall der gleiche Luxus herrscht, wie wir ihn in Deutschland gewohnt sind, vergessen wir oft. So habe ich zum Beispiel bis Anfang August fast nur au Sofas geschlafen. Körperhygiene in der Transsib ist mit einem winzigen Waschbecken praktisch nicht möglich. Aber besonders die Erfahrungen in der Mongolei sind eine Herausforderung für mich. Wo ich wohne, gibt es kein fließend Wasser, keine Duschen, keine Toilette. Ich wasche mich mit Wasser aus der Flasche, es gibt 300 Meter entfernt vom Haus eine öffentliche Dusche, die meist auch Warmwasser hat. Die Toilette ist ein typisches Plumpsklo draussen.  Das Essen wird auf einem Holzbrett auf dem Boden zubereitet, gekocht wird auf dem Holzofen. Jeder Hygienebeaufragte in Deutschland würde schier durchdrehen. Der Lebensstandard ist sehr niedrig. Aber die Menschen leben! Sie sind glücklich, machen Witze, viel Kinder kommen auf mich zu, begrüßen mich, versuchen, zu kommunizieren.  ICH bin der Fremde, ICH bin der Ausländer– und in aller Regel sind die Menschen sehr positiv zu mir.

Mein zu Hause in Morön

Flops

Abschiede

das absolute Negativste, was mir bisher in Erinnerung blieb, sind diese verhassten Abschiede, die so schmerzhaft sind. Der Abschied am Kehler Bahnhof, der Abschied von meinem Sohn, als er mich in Istanbul besucht hat und der Abschied von meiner Freundin am Flughafen Antalya sind die mit Abstand schwierigsten und schmerzhaftesten Momente und ich habe jeweils Tage gebraucht, das zu verarbeiten.

 

Heimweh

Die erste Zeit ist ein Abenteuer. Es ist neu, man sammelt Eindrücke, ist mit Planung beschäftigt und voller Vorfreude. Man hat kaum Zeit, nachzudenken. Mit der Zeit wird das zur Routine, es gibt diese Momente, an denen man alleine ist und sich eingestehen muss, dass es doch nicht so einfach ist, nicht zu Hause zu sein. Wir sind diese lange Abwesenheit von zu Hause nicht gewohnt, denn in der Regel sind wir 2-3 Wochen in Urlaub und dann geht es wieder nach Hause, es ist selbstverständlich, wir schätzen es nicht. Es ist aber nicht selbstverständlich! Mehrmals die Woche träume ich davon, dass ich für einige Tage wieder zu Hause bin, mein Gehirn muss sich wohl auch erst daran gewöhnen, dass es eben nicht so ist…

 

Der Sommer in St. Petersburg

Ich warte den ganzen Winter und Frühling über auf den Sommer. Was für mich im Juli in Russland so schlimm war, war das Wetter in St. Petersburg.  Es hat mich an verregnete Oktobertage in Deutschland erinnert und ich konnte und wollte mich nicht daran gewöhnen. In den 4 Wochen, in denen ich dort war, hatten wir allerhöchstens mal 3-4 Tage, an denen das Wetter dem Sommer würdig war. Der Rest war einfach nur grau, kalt und regnerisch. Lediglich die 3 Tage, als wir einen Abstecher nach Finnland gemacht haben, waren eine Ausnahme. Deswegen habe ich meinen Flug nach Istanbul auch vorgezogen, denn 2 weitere Wochen hätte ich nicht ausgehalten.

 

 

Das chinesische Konsulat in Ulaanbaatar/ Mongolei

Meine Begegnung mit der Mitarbeiterin des chinesischen Konsulats war für mich, was zwischenmenschliche Beziehungen anbetrifft, ein absoluter Flop! Die Dame war arrogant und hochnäsig und ihr Verhalten kann nur in die Kategorie “Willkür” eingestuft werden, vor der schon bereits das Auswärtige Amt warnt. Ich hätte sehr gerne ein Selfie mit der jungen Prinzessin gemacht, aber ich denke, das wäre keine so gute Idee gewesen. Hier könnt ihr genau nachlesen, was passiert ist. 

Die Schlange vor dem chinesischen Konsulat in Ulaanbaatar/ Mongolei

 

Die kalten Nächte in Moron/ Mongolei

Die erste Nacht in Moron war für mich ein wirklicher Horror! Meine Gastgeberin hat mir bei Ankunft den Ofen angeworfen, mein Häuschen hat sich auch sehr schnell aufgewärmt und ich bin bald schlafen gegangen. Nur wenige Stunden später bin ich aufgewacht, total verfroren, meine Nase, mein Gesicht waren einfach nur kalt. Lange Hose, Pullover und Jacke helfen auch nur wenig, wenn man bereits bis auf die Knochen friert. Ich hatte kein Feuerzeug dabei und hatte somit keinerlei Möglichkeit, meine Bleibe wieder aufzuwärmen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als alles was ich dabei hatte, anzuziehen und zu warten. Irgendwann gegen 6:30 Uhr ging die Sonne auf und ich stand wie eine Fliege klebend an der Hauswand und habe versucht, mich von den Sonnenstrahlen aufwärmen zu lassen. Das muss ein Bild gewesen sein…..Heute schmunzele ich darüber, aber in diesem Moment war mir wirklich nicht nach Lachen zumute.

Auch die folgenden Nächte waren übrigens nicht viel besser und ich musste jede Nacht mindestens einmal frierend aufstehen, um den Ofen wieder zu befeuern, denn mein Haus hat praktisch keine Isolierung! Die Temperatursprünge in der Mongolei sind wirklich extrem. Tagsüber, wenn die Sonne schein ist „T-Shirt-Wetter“. Geht die Sonne unter, fällt die Temperatur innerhalb kürzester Zeit extrem in den Keller! Gestern habe ich in der „Luxury- Cabine“ geschlafen und konnte das erste mal, seit ich hier bin auch wirklich durchschlafen; was für ein Luxus…. daher wohl auch der Name :-). Nach einem kurzen Gespräch mit Tugsjargal, meiner Gastgeberin, bleibe ich vorerst auch in der Luxury- Cabine, höchstens ein Pärchen mietet sich ein, dann muss ich wieder rüber. Also bitte Daumen drücken, dass keiner mehr bucht 😉

Wie geht es bei euch so auf reisen? Was waren eure positiven und negativen Erlebnisse…?


 

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Sandra | tracks and the cityAndreaNomadic VicVadim Recent comment authors
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Sandra | tracks and the city
Gast

das ist so fies, wie einem manche Menschen durch ihr unschönes Verhalten so nachhaltig negativ in Erinnerung bleiben! Über den anderen Flop von Dir musste ich allerdings lachen…klar, frieren ist nicht schön, aber das Bild von der sich wärmenden Fliege an der Hauswand würde ich doch allzu gerne sehen ;). Dein Top Transsib klingt wahnsinnig toll hingegen…und jetzt hab ich na klar total Bock auchmal irgendwo englisch zu unterrichten. Bin gespannt, was Du noch so alles erlebst!
Liebe Grüße,
Sandra

Andrea
Gast

Ach ja, gefroren habe ich in der Mongolei auch immer, die müssten doch eigentlich noch mehr Decken dahaben, oder? Du verständigst dich bestimmt auf Russisch?

Vadim
Gast
Vadim

schön durchhalten die nächsten 100 min Jung! ich wünsche dir viele Abenteuer und eine große Sammlung an Erfahrungen und Freunschaften.