Tag 104 – Khuvsgul Lake

6:02 Uhr, Khuvsgul Lake/ Mongolei, irgendwo im Wald. Ich sitze mit Jacke und Mütze im Bett und nutze die Gelegenheit, auf meinem Smartphone einen kleinen Blogeintrag zu tippen.

Warten auf Wärme…

Vor etwa einer halben Stunde bin ich wie jede Nacht aufgewacht, weil ich gefroren habe. Dann raus, um Holz zu sammeln. Es ist noch dunkel, der Boden glänzt im Licht meiner Kopflampe. Ich schätze die Außentemperatur auf irgendwo gegen Null Grad. Ich muss Holz sammeln, um den Ofen wieder anzuwerfen, ansonsten ist an Schlaf nicht zu denken. Irgendwo steht einer dieser langhaarigen Bullen und grunzt, aber ich sehe ihn nicht. Deswegen lieber beeilen und schnell wieder zurück. Es geht eine Weile bis ich mit meinen kalten Fingern das Feuer anbekomme und eine gefühlte Ewigkeit, bis meine Zehen und meine Nase wieder warm werden. 

Gestern Abend bin ich in einem 9-Sitzer, vollgepackt mit 14 Menschen hinten rechts eingequetscht knappe 2 Stunden lang von Moron nach Khuvsgol gefahren. Eine ältere Frau zeigte mir bei Ankunft wortlos meine Hütte und ging wieder. Meine Fragen hat sie nicht verstanden, Gesten haben auch nichts gebracht, also habe ich es gelassen. Drinnen wimmelte es nur so von schwarzgrünen Fliegen. Obwohl ich etliche mit einem Kissen erledigt habe, kamen durch einen der unzähligen Risse immer wieder welche nach. Nach gut einer Stunde habe ich den Spalt gefunden, mit Papier verstopft und den “Nachschubweg” versperrt. Ich schätze, es waren mindestens 30 Stück, die ich erledigt habe. Trotzdem kommt gelegentlich die ein oder andere nach, aber es ist nicht mehr ganz so schlimm. Der menschliche Körper ist für eine Fliege einfach riesig und es gibt mehr als genug Fläche, um dagegen zu fliegen. Aber warum müssen die einem eigentlich immer in Kamikaze-Manier ins Gesicht schmettern….?

Später bringt mir die Frau Suppe. Nudeln, Fleisch, sehr fettig. Einen Löffel, Gabel oder sonstwas, womit ich sie essen könnte, gibt es nicht. Die letzte Suppe die ich in der Mongolei gegessen habe, hat mich mit dem schlimmsten Durchfall, an den ich mich erinnern kann, eine Nacht auf dem Plumsklo verbringen lasen.


Also lasse ich die Suppe lieber stehen, denn ich habe wirklich keinen Nachholbedarf was Durchfall anbetrifft. Einer meiner Schüler ist übrigens Frauenarzt und hat mir vorgestern in seiner Klinik eine Infusion gegeben, was zum Glück auch recht schnell geholfen hat und ich die darauffolgende Nacht wieder im Bett verbringen konnte.

Meine Gastgeberin hat mir bei Abfahrt eine Tüte mitgegeben und gesagt, das sei mein Lunchpaket für den Abend. Nachdem die meisten Fliegen eliminiert waren, habe ich sie ausgepackt und wollte eine Kleinigkeit essen, aber mich hat schier der Schlag getroffen: Brot, 2 Zwiebeln, Marmelade, trockene Nudeln und ein rohes Stück Fleisch. Fertig! Was zum Henker soll ich damit???? Rohes Fleisch mit rohen Nudeln, garniert mit Zwiebeln und als Dessert Marmelade? Es gibt hier in dieser Hütte 3 Betten, einen kleinen Tisch und einen Ofen. Das war’s. Von Zubereitung etc. kann keine Rede sein und wo die Frau mit der Suppe ist, weiß ich auch nicht. Etwa 50 Meter entfernt stehen einige andere Hütten, aber das war mir dann wirklich zu blöd, dann eben hungrig ins Bett, ist gut für die Figur.

Mein “Lunchpaket”

Zumindest mein Guide, ein älterer Herr, der gestern Abend noch kurz reinschaute, hat mir mit seinem Lachen etwas Zuversicht auf den heutigen Tag gegeben. Verstanden hat er mich nicht, ich ihn auch nicht, aber er war gut gelaunt- immerhin.
Wir werden gemeinsam auf Pferden den See entlang reiten und abends bei einer Nomadenfamilie übernachten. Da bin ich wirklich gespannt, was da auf mich zukommt, denn ich bin noch nie in meinem Leben auf einem Pferd gesessen….

Eigentlich ganz romantisch

Mittlerweile ist es hell, ich habe einige weitere Fliegen über den Jordan geschickt, denn sie scheinen eine neue Nachschubroute gefunden zu haben. Es ist wieder einigermaßen warm geworden und ich versuche, noch einen kleinen Powernap zu machen, bevor es los geht….


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