Tag 144 – König Bhumibol

Tag 144, 26.10.2017 Been Hostel Ratchathewi, Bangkok

Am 13. Oktober 2016 starb König Bhumibol Adulyadej nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren. Nach seinem Tod wurde eine Staatstrauer von einem Jahr angeordnet und er wurde für Kondolenzbesuche von Staatsoberhäuptern aus aller Welt ein Jahr lang aufgebahrt.

König Bhumibol- der wohl am meisten geliebte Monarch der Welt

Der Oktober 2017 war ein Trauermonat. Das ganze Land trägt als Zeichen der Trauer schwarz und viele Feiern, Musik- und Sportveranstaltungen  wurden entweder stark runtergefahren oder gar komplett abgesagt. Webseiten, Plakate, Facebookprofile etc. sind schwarzweiß, 67 Millionen Menschen trauern! Immer wieder wurden Straßen für Konvois wichtiger Menschen gesperrt, seit Tagen ist der Bereich um den Grand Palace weiträumig abgeriegelt. Hunderttausende von Menschen aus allen Teilen des Landes strömen in den letzten Tagen in die Hauptstadt, um ihrem geliebten König die letzte Ehre zu erweisen. Das Leben in diesem Land ist für einen kurzen Moment zum Stehen gekommen!

König Bhumibol war 70 Jahre lang das Oberhaupt des Landes und wurde von der Bevölkerung geliebt und verehrt wie ein Halbgott. Für Majestätsbeleidung konnte man sogar mit Gefängnis bestraft werden, aber zumindest eine Geldstrafe und öffentliche Entschuldigung waren Standard!

Entsprechend aufwändig wird die gigantische Zeremonie der Superlative für die himmlische Rückkehr dieses außergewöhnlichen Monarchen zelebriert. So wurde zum Beispiel am Sanam Luang Patz eigens dafür das wohl prächtigste Bauwerk Thailands nach strenger buddhistischer und hinduistischer Tradition errichtet und wird nach der Zeremonie wieder abgebaut. Als erster Thailändischer König entschied sich König Bhumibol für den Transport zum Krematorium in einem Sarg– nicht wie sonst üblich sitzend in der Meditaions- Pose, die nach buddhistischem Glauben der Seele helfen soll, in den Himmel zu kommen.

Drohnenaufnahme des Königlichen Krematoriums von Sakka Assadodorn (www.facebook.com/sakka.assadodorn)

Die Trauerzeremonien laufen vom 25.10 – 29.10.2017. Heute, am Donnerstag, dem 26.10.2017 findet die Hauptzeremonie statt und ich habe mich auf den Weg in die Stadt begeben, um mir ein Bild davon zu machen.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind heute kostenlos, viele Straßen sind gesperrt, es finden viele Kontrollen statt und unangebracht gekleidete Menschen wurde auch schon der Zutritt zur Stadtmitte verwehrt. Auch der Ausschank von Alkohol ist heute verboten. Selbst die unzähligen 7/11 Shops sind ab 14 Uhr geschlossen und werden erst um Mitternacht wieder geöffnet. An jeder Ecke werden kostenlose Speisen, Getränke und Snacks verteilt. Es gibt viele mehrere Hundert Meter lange Warteschlangen, in denen die Menschen geduldig anstehen, um an mehreren in der Stadt verteilten Gedenkstätten Blumen abzulegen und zu beten.

Ich bin beeindruckt, wie friedlich und ruhig Millionen von Menschen in dieser gewaltigen Stadt in einem riesigen Gewusel miteinander auskommen. Viele von Ihnen warten seit Tagen an der Zufahrtsstraße zum Sanam Luang Patz, um einen Blick auf den letzten Transport der sterblichen Überreste ihres geliebten Königs zu erhaschen. Der Umgang untereinander ist in diesem Land sowieso schon sehr von gegenseitigem Respekt geprägt, aber ich habe den ganzen Nachmittag über den Eindruck, dass die Menschen noch näher zusammengerückt sind. Es ist eine sehr friedliche Atmosphäre, in der es kaum Sicherheitskräfte zu geben scheint, obwohl deren Zahl mit etwa 78.000 angegeben wird. Nur hin und wieder sieht man in einer Nebengasse ein Militärfahrzeug stehen. Bewaffnete Kräfte konnte ich an diesem Nachmittag überhaupt nicht sehen.

Es gibt kaum Ausländer in dem von mir besuchten Gebiet in der Nähe des Grand Palace und immer wieder weisen mir Einheimische mit freundlichen Gesten den Weg, oder es kommen Hilfskräfte auf mich zu, um mich zu fragen, wohin ich gehen möchte und mir bereitwillig den Weg zu weisen und mehr über die Zeremonie zu erzählen.

Ich habe mich heute bewußt nirgendwo angestellt, denn das Begräbnis ist meines Erachtens eine rein Thailändische Angelegenheit und wir Ausländer sollten da nicht auch noch “mitmischen” wollen. Für mich persönlich war es vollkommen ausreichend, ein Teil dieser riesigen Trauergemeinde gewesen zu sein…

 

Hier einige Impressionen des Tages

 

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: