Tag 303- Perth

Tag 303 – 02. April 2018, Perth/ Australien
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das merken wir dann, wenn Dinge, an die wir uns gewöhnt haben und die für uns so selbstverständlich geworden sind, dass wir nicht mehr darüber nachdenken, sich plötzlich verändern. Nach rund 6 Monaten Südostasien kam ich gestern Perth/ Australien an- in der Zivilisation…  ein „Kulturschock“ der besonderen Art.


Zunächst hatte ich ein etwa zehnminütiges Interview mit einer freundlichen Beamtin der Australian Border Force. Sie “fing” mich kurz nach der Passkontrolle ab und wollte wissen, wann ich wo, mit wem, wie lange und warum war. Ob ich arbeite, als was, warum ich gekündigt habe, wann und warum ich wieder nach Bangkok fliege, ob ich in Australien arbeiten werde, welche Staatsangehörigkeit meine Freundin hat, warum ich alleine reise usw. Viele Fragen, offenbar schlüssige Antworten, ein freundliches Lächeln und schon wurde mir gestattet, den 5. Kontinent, der übrigens mehr als 21 mal so groß ist, wie Deutschland, betreten. So einfach geht das also…


Ich hab das YHA Prison Hostel in Fremantle, einem Vorort von Perth ausgesucht. Ein Hostel, das, wie der Name vermuten lässt, in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht ist. Die Einreisekarte, die man im Flugzeug bekommt und ausfüllen muß, sah dann so aus: “Adresse in Australien?” “Gefängnis Fremantle” 😀

Was mir auffiel: 
  • Preisniveau, das etwa 4-6 mal so hoch ist, wie ich es in den letzten Monaten gewohnt war. Bisher konnte ich für rund einen Euro zu Mittag oder Abend essen. Jetzt kostet ein fades Sandwich ohne jeglichen Geschmack bei 7/11 schon rund 4,50€- ohne Getränk! Eine Portion Fish & Chips gibt es für 9,75€ und eine Ölmassage gibt es jetzt für satte 43 statt 10€….

 

  • Temperaturen. In den letzen Monaten war ich Temperaturen von in der Regel 30-38 Grad Celsius gewohnt, habe seit Januar keinen Regen mehr gesehen, Wind kenne ich nur als Fahrtwind und was kühler Wind ist? Keine Ahnung …. Nach meinem ersten Tag in Perth frage ich mich: Wie können Menschen eigentlich bei arktischen 20-25 Grad und einer sibirischen Meeresbrise nur in T-Shirts und Shorts rumlaufen? Zum Glück hatte ich lange Hosen und meine Jacke dabei…

 

  • Der Verkehr. Warum sitzen hier nur 1-2 Personen auf Rollern und Motorrädern? Warum hupt in Australien eigentlich niemand, warum muss man hier an roten Ampeln stehen bleiben und wieso halten die Autos an Zebrastreifen?

 

  • Sauberkeit. Warum sind die Straßen und Wege eigentlich so sauber? Wer fegt hier? Warum stehen so viele Mülleimer rum und ich muss meine leere Plastikflaschen nicht mehr im Hostel entsorgen?

 

  • Im Supermarkt wird nicht alles sofort automatisch in Plastikbeutel gesteckt. Ich wurde nicht mal danach gefragt, ob ich eine Tüte will. Und warum arbeitet im 7/11 eigentlich nur ein einziger Mitarbeiter an der Kasse- auch noch ein Mann- der sogar größer ist als ich….??

 

  • Was ist das eigentlich für ein Englisch? Ich verstehe vieles erst beim zweiten Mal- wenn ich Glück habe. Falls nicht, lächle ich und nicke höflich. Das kommt immer gut an- zumindest habe ich das so in Thailand, Malaysia und Myanmar gelernt. Warum sagt hier eigentlich niemand „no hab“, oder fragt mich „where you go“, nichts ist mehr „same same“ und kein höfliches „kaaaaaa“ der einheimischen Frauen?  Es gibt doch tatsächlich eine ordentliche englische Grammatik, wie ich sie mal in der Schule gelernt habe und ab sofort wird von mir erwartet, dass ich mich an ganzen Sätzen ausdrücke…

 

  • Warum gibt es hier keine Popoduschen? Gibt es tatsächlich Menschen, die Klopapier benutzen?  😀

 

  • Was soll ich jetzt eigentlich essen? Bisher war es so einfach für mich: Entweder Pad Thai oder die vielen Chicken Rice- Variationen. Nun muss ich mir wirklich Gedanken machen, was ich eigentlich essen soll- wobei mir bei den Preisen vor Ort hier wirklich der Appetit vergeht!
Nun, mal sehen, ob und wie schnell ich mich an die neuen Bedingungen anpassen kann. Anfang Mai geht es ja zum Glück schon wieder zurück in das Land des Lächelns…  😉

Ach, übrigens… ab übermorgen werde ich Australien einmal komplett mit einem “relocation car” durchqueren (was das ist? erzähle ich später..). Von West nach Ost, von links nach rechts. Von Perth, an der Ostküste nach Sydney an der Westküste- mit einem Zwischenstopp in Melbourne. Eine gewaltige und für Europäer eigentlich unvorstellbare Strecke von 4200 km!  😯
Das ist mein bevorstehender Tripp…
Allerdings habe ich noch kein Fahrzeug für die letzten 800km von Melbourne nach Sydney und hoffe, dass ich demnächst eins auf den diversen Webseiten finden werde. Es bleibt also spannend…  😉

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BirgittNomadic VicVadim Recent comment authors
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Birgitt
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Birgitt

Super Bericht, bin immer sehr gespannt auf deine Erzählungen und freue mich schon auf die nächsten
Lass es dir gutgehen und viel tolle Eindrücke

Vadim
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Vadim

Na dann VIEL GLÜCK und VIEL SPASS auf deiner weiteren Reise!!! Habe es Amüsiert gelesen. Pass vir Alkem auf dich auf Viktor, Australien hat die giftigsten Tiere.