Tag 373 – 12. Juni 2018, Kuala Lumpur

Ich sitze im Starbucks in Chinatown, Kuala Lumpur. Durch die riesige Glasfront habe ich einen guten Blick auf das Gewusel draußen. Touristen und Einheimische flanieren hier auf ihrem Weg nach Chinatown oder zum Busbahnhof nebenan. Kuala Lumpur ist meist extrem schwül, momentan brennt die Sonne vom Himmel. Hier im Starbucks läuft die Klimaanlage, es gibt guten Kaffee. Der ist zwar deutlich teuerer, als bei den Einheimischen, allerdings ist auch in Malaysia die “Kaffeekultur” nicht so ausgeprägt, wie in Europa und in der Regel bekommt man dort nur Instant Kaffee, den ich überhaupt nicht mag. Ich könnte  natürlich auch aus meinem Zimmer am Blog arbeiten, denn dort gibt es auch WLAN und eine Klimaanlage. Allerdings fehlt mir im Bett die Motivation, zu arbeiten. Und den ganzen Tag im Bett zu verbringen war noch nie mein Ding. Das gewöhne ich mir mit 43 auch nicht mehr an…  Aber warum schon wieder Kuala Lumpur?


Die letzten Wochen waren sehr schön, aber anstrengend. Ich habe mich mit Tochter Carina und Anhang in Krabi getroffen, wo wir eine Woche einen entspannten Strandurlaub verbracht haben. Anschließend haben wir meinen Sohn Enrico und seine Freundin in Bangkok abgeholt. Es sollte eine Überraschung werden, allerdings habe ich mich 2 Tage vorher verplappert und daraus wurde leider nichts…  🙄 Nach einigen Shopping- Tagen in Bangkok waren unsere nächsten Stationen Koh Phi Phi Don, Ko Yao Yai und Phuket, von wo aus es wieder zurück nach Bangkok ging. Nachdem ich alle wieder nach Hause geschickt habe, bin ich einige Tage in “meinem” Been Hostel in Bangkok geblieben und warte nun also hier in Kuala Lumpur auf meinen Flug zurück nach Hause. Ja… das Been Hostel…  ich habe mal nachgezählt: aus meinen geplanten 7-10 Tagen dort wurden am Ende ganze 120 Tage!!!  😯  Und ich bereue keinen davon!!!

Alle zusammen auf Koh Phi Phi Don, Thailand

 


Kuala Lumpur ist die letzte Station meiner einjährigen Reise. Von hier nehme ich am 23. Juni einen Flug nach Singapur, von wo aus ich nach Berlin fliege und von dort mit dem Flixbus nach Kehl fahre. Warum gerade eine Metropole, wie Kuala Lumpur und nicht eine Insel zum Abschluss, fragst du dich bestimmt? Nun, auch wenn ich das Meer liebe, ich bin nicht der Strandmensch. Das habe ich in den letzten 12 Monaten festgestellt. Ich würde mich alleine an einem Strand nach kurzer Zeit zu Tode langweilen. Und nachdem ich die letzten Wochen fast ununterbrochen auf Reisen war, bin ich ehrlich gesagt wieder mal ziemlich “reisemüde“. Auch wenn viele anderer Meinung sind…- Nein Leute! Reisen ist KEIN Urlaub! Das habe ich bereits in einem anderen Beitrag festgestellt. Ich liebe es, zu reisen, ja. Aber reisen bedeutet sehr viel input, den man verarbeiten muss. Reisen strengt an, geistig und körperlich. Und reisen kostet Geld. Man kann für einen bestimmten Zeitraum Urlaub machen, aber dann braucht jeder eine Pause! Es ist ein Riesenunterschied, ob man mehrere Wochen an einem Ort bleibt oder alle paar Tage woanders hinzieht.

Architektur in Kuala Lumpur

Was mir bereits bei meinem ersten Besuch aufgefallen ist: es gibt in Kuala Lumpur sehr viele Menschen aus Indien, Pakistan und Bangladesh. Und es ist offensichtlich, dass der Großteil der Händler in dieser Stadt aus diesen Ländern kommt. Im touristischen Teil China Towns sieht man praktisch keinen Chinesen an den Ständen. Was ich überhaupt nicht mag, ist dieses “aggressive Verkaufen” dieser Händler. Ein ruhiges Schlendern ist praktisch nicht möglich, da aus allen Richtungen permanent das “YES!”, “YES, SIR!”usw auf einen einschmettert. Geht man näher an einen Stand, hängt schon der Verkäufer an einem dran. Fragt man nach dem Preis, scheint das schon eine Kaufabsicht darzustellen. Zunächst wird ein Wucherpreis genannt und bereits im nächsten Satz, kommt  “…but I make good price for you!” und es gibt einen Sofortrabatt von 20-50%, was immer noch viel zu teuer ist. Für mich hat das mit einem Shopping- Erlebnis nichts am Hut- eher mit einer extremen Stresssituation, in der man unter Dauerdruck steht. Es gibt etliche Malls, in denen man die gleichen Artikel zu einem weitaus günstigeren Preis erwerben kann- ohne permanent unter Druck gesetzt zu werden. Bei meinem ersten Besuch hier habe ich in einer Mall eine Uhr gekauft: für ein Drittel des Preises, der mir in Chinatown als “best price in KL” versichert wurde…

China Town am Tag

Ich habe mir übrigens angewöhnt, nur noch mit Kopfhörern und lauter Musik durch Chinatown und andere Malls zu gehen. Dann höre ich zumindestens dieses penetrante “YES, SIR!” nicht mehr und es wird erträglicher! Sehe ich einen auf mich zulaufen, drehe ich demonstrativ meinen Kopf weg, bzw. gehe in eine andere Richtung. Jeder dieser Typen hat übrigens ein Funkgerät und ständig werden irgendwelche Informationen durchgegeben bzw. nach Lagerbeständen gefragt, was für mich schon mal bedeutet, die arbeiten alle zusammen. Ich habe mehrmals gelesen, dass über diese Funkgeräte Preisabsprachen erfolgen und kann das bestätigen. Auf der Suche nach einer Uhr wurde mir an einem Abend immer der selbe überhöhte Preis genannt. Einen Tag später war die Uhr plötzlich 40€ günstiger….

 


Die Antwort, warum ich nun in Kuala Lumpur bin, wo mir diese Stadt beim ersten mal überhaupt nicht gefallen hat, bin ich noch schuldig: Ganz einfach! Blicke ich auf die Zeit Im Dezember 2017 zurück, als ich zum ersten Mal hier ankam, war “KL” vielleicht doch nicht ganz so schlimm. Es kommt immer darauf an, mit welchen Erwartungen man ankommt. Und meine Erwartungen waren offenbar deutlich zu hoch. Man muß sich nur auf diese Stadt einlassen und sie nehmen wie sie ist, dann wir man auch lernen, sie zu mögen. Aber der Hauptgrund ist eigentlich, dass ich die letzten 2,5 Wochen meiner Reise nutzen möchte, mich auf meine Rückkehr auch körperlich vorzubereiten. So habe ich mich wieder im Dragon Muay Thai Kuala Lumpur angemeldet und gehe jeden Tag zu den Kursen von Slatan und Jack, die einen sensationellen Job als Muay Thai Trainer machen…

 

Zuhause geht es dann nahtlos weiter. Ein Woche “Eingewöhnung” , Meldung bei Krankenkasse und Behörden und schon starte ich auch schon wieder als Bewerbungscoach und Seminarleiter bei meinem alten Arbeitgeber. Ich hoffe, der Kulturschock trifft mich nicht allzu hart!  Wir werden sehen….


Weitere Fotos aus Kuala Lumpur findest du hier in meiner Galerie


 

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