Tag 80 – Moskau

Seit 80 Tagen bin ich nun “on the road” und es wird wohl Zeit, einen ersten Beitrag in meinem Reisetagebuch zu veröffentlichen. 🙂

Es ist 14:00 Uhr Moskauer Zeit, ich sitze in der Transsibirischen Eisenbahn, Wagon 10, Platz 25, in der “Economy- Class” der russischen Bahn, der sogenannten “Platzkartny”. Der Zug ist soeben von Moskau aus gestartet und die Passagiere richten sich ein. Noch nie habe ich mich so über eine Zuhfahrt gefreut, noch nie darüber, 89 Stunden lang auf engstem Raum mit vielen anderen Menschen zusammen zu sein. Für einen wie mich, der sich schon in Aufzügen nicht wohlfühlt und bei Flügen grundsätzlich möglichst weit vorne sitzt, um nach der Landung schnell wieder draußen zu sein, ist das eine echte Herausforderung und ich bin sehr gespannt, was mich in den nächsten 3 Tagen und 17 Stunden erwarten wird. 


 

Sowetsk

Sowetsk, meine Geburtsstadt

Meine bisherige Reise hat mich über Kaliningrad in meine Geburtsstadt Sowetsk geführt; eine Kleinstadt in der russischen Enklave, weit entfernt vom Machtzentrum Moskau. Man hat überall den Eindruck, diese Stadt stirbt aus. Die Infrastruktur ist in den meisten Bereichen noch aus sowjetischer Zeit, es wird kaum etwas instandgesetzt.

Nicht viel los in der Shopping Meile

Der Arbeitsmarkt ist katastrophal und die Arbeitsfähigen und -willigen versuchen, irgendwie hier wegzukommen und in der Grosstadt Kaliningrad eine Arbeitsstelle zu finden. Die, die gezwungermassen bleiben müssen, sieht man entsprechend oft auf der Straße:  Alkoholiker, Rentner und Kleinkinder.

Meine Tante gehört zu den Rentnern und würde, wenn sie könnte, auch gehen, erzählt sie mir. Sie kann aber nicht. Ein Umzug wäre im Alter von 78 Jahren für sie nicht mehr vorstellbar und so wartet sie, wie viele andere Rentner auch. Worauf? Auf das Ende. “Was bleibt mir anderes übrig?”,  fragt sie sich. Diese Antwort kann ich ihr nicht beantworten….


 

St. Petersburg

Mein Aufenthalt in St. Petersburg sollte ursprünglich bis Ende Juli dauern. Das Wetter war jedoch dermaßen schlecht, dass ich nach 4 Wochen abgebrochen und meinen Flug nach Istanbul vorgezogen habe. Es war bis auf wenige Ausnahmen kalt, nass, regnerisch und einfach nur grau. Nichtsdestotrotz habe ich in dieser Zeit natürlich auch schöne Dinge unternommen.

Kein Kommentar 😀

Ich hatte das Glück, zwei Begegnungen des Confederation Cups zu besuchen und war im Neuen Petersburger Fussballstadion bei den Partien Kamerun – Australien, sowie Portugal – Neuseeland dabei.

Kamerun – Australien 1:1

Wer nach Russland fährt, sollte übrigens unbedingt eine der örtlichen “Banjas” besuchen. Da mein Cousin und ich absolute Banja- Fans sind haben wir das auch zwei mal die Woche getan und ich habe meine Abwehrkräfte für meinen bevorstehenden Tripp nochmal gestärkt. Demnächst werde ich  mal einen ausführlichen Bericht über die russische Banja schreiben.

Original russische Banja

Finnland

 

Blick aus dem Haus

Für ein verlängertes Wochenende waren wir zwischendurch in einem Haus am See in Lappeenranta, Finnland. Die finnische Grenze ist knapp 180km von St. Petersburg entfernt und die Petersburger Russen fahren gerne “nach Europa”, um dort einzukaufen. Lidl, Aldi und andere Discounter gibt es in Russland nicht, also ab nach Finland zum wöchentlichen Einkauf.  Es gibt sogar Busunternehmen, die Tagestouren mach Finnland anbieten, um dort einkaufen zu gehen.

Totenstille

Die Natur ist atemberaubend, die Stille dort sind wir aus unserer Zivilisation überhaupt nicht gewohnt und auch das Wetter war absolut klasse!


 

Istanbul

Happy Birthday

In Istanbul war ich für einen leider viel zu kurzen Zeitraum Mitarbeiter des “Mansion by cheers” -Hostels und habe erste Erfahrungen im Tourismus gesammelt. Das muss auf jeden Fall wiederholt werden und ich brenne darauf, im nächsten Hostel irgendwo auf der Welt arbeiten zu dürfen.

Anschließend habe ich dort einige Tage mit meinem Sohn verbracht. Wir hatten schon lange vor, einige gemeinsame Shopping- Tage in Istanbul zu verbringen und mein Tripp war die Gelegenheit, unseren Plan zu verwirklichen.

Leider war sein Koffer nicht rechtzeitig da und er musste die ersten 2 Tage entsprechend “light” gekleidet rumlaufen…

Über die Mega- Stadt Istanbul habe ich übrigens einen ausführlichen Bericht geschrieben. Ihr findet ihn hier.


Side

Zwei schöne Urlaubswochen mit meiner Partnerin folgten auf meinen Aufenthalt in Istanbul.

Side Antik von oben

Wir hatten ein sehr günstiges Zimmer im Şato Otel, mitten in der antiken Altstadt von Side gebucht. Das kleine Hotel liegt sehr ruhig in einer Seitengasse und alles was das Touristenherz begehrt, befindet sich in unmittelbarer Umgebung. Anfangs waren wir wegen dem doch recht niedrigen Preis etwas skeptisch, aber zum Glück unbegründet. Die Inhaber Zeynep und ihr Mann Hayrettin waren sehr tolle Gastgeber und hatten immer Zeit für einen netten Smalltalk. Die Zimmer waren für diese Hotelkategorie zu diesem Preis auch sehr gut!

Das Sato Hotel, Side

Leider ging auch hier die Zeit viel zu schnell vorbei und entsprechend schmerzhaft war der Abschied. Aber meine Partnerin und ich sehen uns ja bald wieder- sind ja nur noch 4 Monate bis Silvester 😀

Pammukale

Mein Tripp von der Türkei nach Russland hatte es übrigens in sich! Der Flug Antalya – Ankara hatte sich verspätet und ich verpasste natürlich meinen Anschlussflug nach Moskau. Die Betreuung und Organisation von Turkish Airlineswar ein absoluter Reinfall und so durfte ich mir mit einigen Moskauer Leidensgenossen die Nacht am Flughafen in Ankara um die Ohren schlagen. Da es in absehbarer Zeit keinen Direktflug nach Moskau mehr gab, wurden wir über Istanbul geleitet und ich kam nach über 30 Stunden Reisezeit total fertig in Moskau an.


 

Moskau

Meinen kurzen Aufenthalt in Moskau wollte ich nutzen, um für diesen Blog einige Bilder auf dem roten Platz zu machen. Allerdings findet dort ein Festival statt und der Platz ist komplett abgesperrt, was ich wirklich sehr sehr ungeschickt fand.

Welcome to Moscow

Aber was soll’s. Somit habe ich einen Grund, nochmal nach Moskau zu kommen. Vielleicht schaffe ich es ja dann endlich im 3. Anlauf, auch mal Onkel Lenin zu besuchen 😀

Dafür habe ich Ruslan, einen anderen Traveller getroffen, den ich in Istanbul kennen gelernt hatte und wir haben uns gemeinsam Moskau angeschaut.

It´s selfie time

Ja… und nun sitze ich also endlich in der berühmten Transsibirischen Eisenbahn und werde in den nächsten 3 Tagen das größte Land der Erde durchqueren (fast). Ich berichte bald darüber 😉


 

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