Tag 89 – Ulaanbaatar

Es ist 6:30 Uhr, ich stehe mir vor der Chinesischen Botschaft in Ulanbaatar die Beine in den Bauch und versuche, irgendwie die Zeit totzuschlagen. Was ich hier mache? Ich möchte ein Visum für China beantragen. 

Da ich ab Ausstellungsdatum in einem Zeitraum von 3 Monaten einreisen muss, war die Beantragung in Deutschland nicht möglich, also versuche ich es jetzt direkt in der Mongolei.

Diese Tickets werden bei Öffnung des Konsulats an die Ausländer verteilt

Die Botschaft öffnet ihre Tore Montag, Mittwoch und Freitag um 9:30 und schließt sie pünktlich um 12:00 Uhr – egal wie viele Menschen draußen stehen und warten! Ich bin in der Schlange für Nicht- Mongolen der Achte (obwohl ich 3 Stunden früher da war) und guter Dinge, heute noch meinen Antrag abgeben zu können. In der mongolischen Schlange stehen jetzt schätzungsweise 50 – 60 Menschen, viele gut ausgestattet mit Decken, Thermoskannen und Campingstühlen. Offensichtlich sind die ersten bereits irgendwann nachts hier eingetroffen.

Zum Thema “Chinesisches Visum in Ulaanbaatar beantragen” habe ich einen Bericht geschrieben. Ihr findet ihn hier.

Meine persönlichen Erfahrungen dazu und warum ich mich dann entschlossen habe, KEIN Visum für China zu beantragen, könnt ihr bei meinen “Tops & Flops” nachlesen. 


 

Die Transsibirische Eisenbahn

Meine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn war überraschend angenehm. Ich hatte einen unteren Platz quer zur Fahrtrichtung ausgesucht, gegenüber saß ein französisches Paar, das eine ähnliche Route plant. Vielleicht trifft man sich unterwegs ja noch mal.

ein Blick in den Gang des Großraumabteils “Platzkartny”

Nach und nach gesellten sich russische Reisende in unseren Bereich und man wuchs sehr schnell zu einer Gruppe zusammen. Erlebt man Russen bei einer solchen Reise, versteht man, was mit der so beliebten russischen Gastfreundschaft gemeint ist. Schnell hat man das Gefühl, sich schon ewig zu kennen. Sie sind sehr hilfsbereit, teilen Essen und Getränke, als ob es selbstverständlich wäre und nutzen natürlich jede Gelegenheit, einen Deutschen, der russisch spricht, mit vielen vielen Fragen zum Leben in Deutschland, zur allgemeinen und politischen Lage und selbstverständlich zur sehr aktuellen Flüchtlingspolitik zu löchern.

Gemeinsam schmeckt es besser

Bis auf wenige Ausnahmen sieht man unterwegs Steppe, Wald, hin und wieder eine Ortschaft und Millionen von Birken!

Birken

Zwischendurch mal einige Ortschaften

und wieder Birken

Alle paar Stunden hält der Zug für meist etwa 30 Minuten und man hat Gelegenheit, entweder am Bahnhof oder bei den älteren Damen am Gleis seinen Reiseproviant aufzufüllen.

einer der vielen kleinen Bahnhöfe

und hier mal ein großer

Panorama- Foto des Zugs

Novosibirsk bei Nacht

Großartige Menüs kann man nicht wirklich erwarten, aber zwischendurch werden im Zug selbst auch kleinere Gerichte angeboten und einige Tage Yum Yum Suppe und Fertiggerichte machen uns weder krank, noch bringen Sie uns um. Es gibt auch ein Bordrestaurant, das ich allerdings nicht besucht habe und somit nichts darüber erzählen kann.

ein kleiner Snack zwischendurch

Schläft ihr gerne? Kommuniziert ihr gerne mit anderen Menschen? Habt ihr kein Problem mit einer stark eingeschränkten bzw. nicht vorhandenen Privatsphäre? Ist es ok, sich nur sehr eingeschränkt um die Körperhygiene kümmern zu können? Dann seid ihr in der sogenannten “Platzkartny“, der 3. Klasse der Transsibirischen Eisenbahn perfekt aufgehoben.

Wer allerdings hohe Ansprüche an Hygiene und Privatsphäre stellt, sollte lieber 1. – 2. Klasse fahren oder die Transsibirische Eisenbahn meiden. Nicht jeder hat natürlich das Glück, eine so tolle Gruppe während dieser Fahrt zu haben und ich hatte kaum Gelegenheit, meine mitgebrachten Filme zu sehen und E-Books zu lesen. Es liegt aber wie so oft im Leben hauptsächlich auch daran, wie offen man selbst anderen Menschen gegenüber ist…

Meine neuen Freunde rieten mir übrigens, nicht in Irustsk zu bleiben, wie ich es ursprünglich geplant hatte, sondern weiter zu fahren und lieber direkt am Baikalsee einen Zwischenstopp einzulegen. Ich entschied mich für den kleinen Ort Baikalsk, was sich einige Stunden später als kapitaler Fehler herausstellen sollte….

In Irkustks angekommen, hatte ich eine halbe Stunde Zeit, ein Ticket für die Weiterfahrt zu buchen. Sicherheitshalber nahm ich mein komplettes Gepäck mit, man weiß ja nie…. und nach knapp 25 Minuten erschien ich zur Freude meiner “Transsib- Familie” wieder am Gleis; etwas außer Atem, aber glücklich mit dem Ticket zur Weiterfahrt bis Baikalsk.


Baikalsk

In Baikalsk angekommen, traf mich erstmal schier der Schlag!

keine Menschenseele

nur der Hund und ich

Diese Stadt ist so klein und unbedeutend, dass sich dort tatsächlich noch Fuchs und Wolf Gute Nacht sage und am dortigen Mini- Bahnhöfchen konnte ich kein Ticket nach Ulan Baatar buchen. Dies sei auch online nicht möglich, sondern nur in der nächstgelegenen größeren Stadt Ulan Ude- “nächstgelegen” bedeutet in diesem Fall 4 Stunden Zugfahrt….

der Baikalsee vom Ufer aus

und vom Zug aus

Also hieß es, stornieren der zweiten Nacht in Baikalsk, buchen eines neuen Tickets nach Ulan Ude (was zum Glück online möglich war) und am nächsten Tag ging es auch schon weiter mit dem Zug, wo ich den fehlenden Schlaf nachholen konnte- denn die Umdisponierung zog sich aufgrund der miserablen Internetverbindung meines Hostels bis spät in die Nacht.


Ulan Ude

Ulan Ude ist eine überraschend schöne Stadt und der überwiegende Teil der Einwohner sind Menschen mit mongolischen Wurzeln, das ist nicht mehr zu übersehen. Dass auch diese Stadt Russlands ein Problem mit dem Alkohol hat, ist leider auch nicht zu übersehen, denn man sieht fast an jeder Ecke torkelnde und betrunkene Männer.

Ein Gebäude der Stadtverwaltung Ulan Ude

Fussgängerzone Ulan Ude

auch hier wacht Onkel Lenin über die Stadt

“Es gibt keine Zugtickets mehr nach Ulaanbaatar!” erzählte mir Mark, der Mitarbeiter des Hostels in Ulan Ude. Und auch die Bustickets würde es auch erst wieder in 3 Tagen geben, was eine leichte Panik in mir aufkommen ließ.

Nichtsdestotrotz versuchte ich mein Glück am Busbahnhof und siehe da: es gab doch noch einige wenige Tickets und am nächsten Morgen machte ich mich auf eine 14- stündige Busreise in die Mongolei.

mein Bus nach Ulaanbaatar

Ich bekam einen Sitz in der letzten Reihe und die Kombination von miserablen Strassenverhältnissen gepaart mit maroden Stoßdämpfern des Fernbusses verhinderte jeglichen Versuch, zwischendurch mal etwas zu schlafen. Selbst mein Handy sprang mir unterwegs mehrmals aus der Hand. Dafür brachte ich dank dem vollen Einsatz der Klimaanlage eine ordentliche Erkältung mit in die Mongolei…

einen guten Überblick hatte ich ja immerhin 🙂


 

Mongolei

Der Grenzübertritt in die Mongolei war sehr unkompliziert. Zwei Mal mit dem kompletten Gepäck aussteigen, zwei Mal durchchecken lassen und die obligatorischen Passkontrollen und schon ging es weiter.

Die Mongolei ist wirklich riesig! Stundenlang fährt man vom Grenzübergang bis Ulaanbaatar und sieht durchweg eine einfach atemberaubend Kulisse, die mich an eine Mischung “Herr der Ringe” und Schwarzwald- Vorgebirge erinnert.

gegen Ende durfte ich dann auch mal am Fenster sitzen

stundenlang dieses Bild

Aber nun bin ich mal gespannt, ob mein Antrag auf Einreise in die Volksrepublik China erfolgreich sein wird, denn man liest viel von der Willkür der Konsulatsmitarbeiter….

Nachtrag: 

Zum Thema “Chinesisches Visum in Ulaanbaatar beantragen” habe ich einen Bericht geschrieben. Ihr findet ihn hier.

Meine persönlichen Erfahrungen dazu und warum ich mich dann entschlossen habe, KEIN Visum für China zu beantragen, könnt ihr bei meinen “Tops & Flops” nachlesen. 

 


 

2 thoughts on “Tag 89 – Ulaanbaatar

  • September 6, 2017 um 08:24
    Permalink

    es ist wirklich spannend Deine Reise zu verfolgen! Ich wünsche Dir noch ganz viele unvergessliche Augenblicke! Herzliche Grüße aus dem fernen Offenburg Birgitt

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    • September 7, 2017 um 11:37
      Permalink

      vielen Dank für das positive Feedback und viele Grüße aus Mörön/ Mongolei nach Offenburg

      Antwort

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