Du hast dir mit Sicherheit viel Gedanken über die Finanzierung der Reise gemacht, hast gespart, Dinge verkauft, Geld zur Seite geschafft, oder bist noch mittendrin. Auch wie du während der Reise sparsam mit deinem Budget umgehst, weisst du schon oder hast zumindest eine grobe Ahnung.

Aber was ist mit der Zeit danach? Macht es Sinn, bereits vor der Reise einen nicht unerheblichen Betrag zur Seite zu legen? Ist man nach der Rückkehr nach Deutschland automatisch wieder arbeitslos und hat Anspruch auf Arbeitslosengeld?  Ob es jetzt moralisch verwerflich ist, oder ob dies ein Recht ist, das einem zusteht, muss jeder mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren und für sich selbst entscheiden. Ich gebe hier allgemeine Hilfestellungen für die, die sich einen Anspruch auf Unterstützung nach ihrer Rückkehr sichern möchten.

Grundsätzliches

Der Staat kann dir durch Zahlung von Arbeitslosengeld unter Umständen vorübergehend unter die Arme greifen, aber jeder Fall ist ein Fall für sich und ist im Endeffekt von der Arbeitsagentur auch als Einzelfall zu entscheiden. Das Sozialgesetzbuch ist ein faustdicker Brocken und es gibt niemanden, der wirklich alles weiß, was dort steht. Folglich können sich in speziellen Fällen auch die Mitarbeiter/innen der Arbeitsagenturen irren, denn auch sie sind nur Menschen. Lasse dich also nicht verunsichern, falls du widersprüchliche Informationen bekommst und hake nach.

Für das Arbeitslosengeld 1 ist das Sozialgesetzbuch 3 (SGB III) zuständig. Ich habe mal in den Tiefen des SGB III gewühlt…(als ehemaliger Angestellter der Agentur fiel mir das ehrlich gesagt auch nicht ganz so schwer, wie es hier erscheint 😉 )


Wer hat Anspruch auf Arbeitslosengeld?

§ 137 SGB III – Anspruchsvoraussetzungen

(1) Anspruch auf Arbeitslosengeld bei Arbeitslosigkeit hat, wer

1. arbeitslos ist,

2. sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und

3. die Anwartschaftszeit erfüllt hat

Achtung! Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen „arbeitslos“ und „arbeitssuchend“.

Definition „arbeitslos“

Definition „arbeitslos“ nach§ 16 SGB III:

(1) Arbeitslos ist, wer Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer ist und

1. nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht (Beschäftigungslosigkeit),

2. sich bemüht, die eigene Beschäftigungslosigkeit zu beenden (Eigenbemühungen), und

3. den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung steht (Verfügbarkeit)

Definition „arbeitssuchend“ nach § 15 SGB III:

Ausbildungsuchende sind Personen, die eine Berufsausbildung suchen. Arbeitsuchende sind Personen, die eine Beschäftigung als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer suchen. Dies gilt auch, wenn sie bereits eine Beschäftigung oder eine selbständige Tätigkeit ausüben.

Persönliche Meldung

§ 141 SGB III – Persönliche Arbeitslosmeldung

  1. Die oder der Arbeitslose hat sich persönlich bei der zuständigen Agentur für Arbeit arbeitslos zu melden. Eine Meldung ist auch zulässig, wenn die Arbeitslosigkeit noch nicht eingetreten, der Eintritt der Arbeitslosigkeit aber innerhalb der nächsten drei Monate zu erwarten ist.

„Persönlich“ bedeutet grundsätzlich, du musst selbst zur Arbeitsagentur und dich dort unter Vorlage deines Personalausweises melden. Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit, diese „Arbeitssuchend- Meldung“ telefonisch oder online zu machen. Ich würde dir raten, dies zur eigenen Sicherheit mindestens 3 Monate vorher telefonisch abzuklären bzw einfach persönlich bei der Agentur vorbeizuschauen.

Fristen

Es gibt bestimmt Fristen, innerhalb derer du dich melden musst. Diese Fristen solltest du unbedingt einhalten, wenn du keine Probleme mit der Agentur willst.

§38 SGB III – Fristen

(1) Personen, deren Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis endet, sind verpflichtet, sich spätestens drei Monate vor dessen Beendigung persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend zu melden. Liegen zwischen der Kenntnis des Beendigungszeitpunktes und der Beendigung des Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses weniger als drei Monate, haben sie sich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis des Beendigungszeitpunktes zu melden. Zur Wahrung der Frist nach den Sätzen 1 und 2 reicht eine Anzeige unter Angabe der persönlichen Daten und des Beendigungszeitpunktes aus, wenn die persönliche Meldung nach terminlicher Vereinbarung nachgeholt wird(…).

Anwartschaftszeit

§ 142 SGB III Abs. 1 – Anwartschaftszeit

(1) Die Anwartschaftszeit hat erfüllt, wer in der Rahmenfrist (§ 143) mindestens zwölf Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden hat. 

§ 143 SGB III – Rahmenfrist

(1) Die Rahmenfrist beträgt zwei Jahre und beginnt mit dem Tag vor der Erfüllung aller sonstigen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Das bedeutet auf Deutsch: In den letzten 2 Jahren musst du mindestens 12 Monaten lang in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt haben, um einen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben.

Fazit

Du hast also dann erst einen Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn du

  1. arbeitslos bist
  2. dich persönlich bei der Arbeitsagentur gemeldet hast
  3. in den letzten 2 Jahren in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt hast
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[…] Ich habe einige Informationen etwas vereinfacht dargestellt. Falls du ein Paragraphenreiter bist, schaust du am besten bei Vic vorbei, der ehemaliger Mitarbeiter bei der Agentur für Arbeit ist und die Informationen auf Basis der […]

herrrothwandertwieder
2 Jahre her

Wenn ich Fördergelder von der Agentur für Arbeit bekomme und darüber versichert bin, ist das Arbeitsamt mein Arbeitgeber (!) Dann kann ich natürlich nicht, wie in den goldenen Jahren der 60ger und 70ger, in der Welt herumjuckeln und schön Gelder kassieren. Dann habe ich vor Ort zu sein und zur Verfügung zu stehen, genauso wie in einem normalen Arbeitsverhältnis habe ich anwesend zu sein, um zu arbeiten. Ich bin immer einen Mittelweg gefahren, ich habe unzählige Reisen gemacht und habe aber auch unzählig gearbeitet, ich habe mir quasi jede Reise erarbeitet. Mein ewige Kundennummer der Agentur kann ich schon auswendig,… Read more »